Scheibenfeuer

Zum Abschluss der Alemannischen Fastnacht gehört im Eggenertal das Scheibenfeuer. Mit diesem alten Brauch sollen die Wintergeister vertrieben werden.

Scheibenfeuer Obereggenen 2014

Bildergalerie

Dazu wird im Eggenertal am Samstag nach Fastnacht im Dorf Holz gesammelt, das von den Einwohnern am Straßenrand bereitgelegt wird. Begleitet wird der Zug von fastnächtlich verkleideten Kindern. Da dieses Holz für das Feuer nicht ausreichte wurde von den Schülern der 7. Klasse des Dorfes Holz im Wald in Absprache mit dem Förster geschlagen, sie wurden auch »Holzmeister« genannt. Die Schüler der 8. Klasse waren Konfirmanden; diese waren zur Zurückhaltung angewiesen.

Heute übernehmen diese Aufgabe die Betreiber des Jugendraums. Nachdem das gesammelte und geschlagene Holz auf dem Feuerplatz aufgeschichtet ist, wird es von einigen – meist männlichen – Jugendlichen bewacht, um ein Abbrennen von Altersgenossen aus Nachbargemeinden zu verhindern.

An diesem Abend war früher im Saal des Gasthauses Hirschen die »Bauernfastnacht«, später wurde diese in den 1970er Jahren in der Blauenhalle von der Freiwilligen Feuerwehr und im Anschluss in den 1990er Jahren von den Landfrauen veranstaltet.

Das Scheibenfeuer wird in Obereggenen noch traditionell am Sonntag nach Aschermittwoch bei Einbruch der Dunkelheit auf einer Anhöhe (Rüttele) oberhalb von Schallsingen entzündet.

In Niedereggenen wird das Feuer aus organisatorischen Gründen schon am Samstag auf dem Kapf oberhalb der Kirche entfacht.

Scheibenschlagen

Alt und jung, ausgestattet mit Haselruten und dünnen Holzscheiben aus Buchenholz mit etwa 10 cm Durchmesser und einem Loch in der Mitte, gehen zum Scheibenschlagen.

Die auf den Stock gesteckten und angeglühten Holzscheiben werden über den »Scheibenstuhl« ins Tal geschlagen. Es gibt viele Menschen, die diesen Brauch perfekt beherrschen, und die Scheiben weit in den Nachthimmel schicken als seien es Sterne.

Zur Begleitung der Scheiben wurde früher ein Vers aufgesagt: »Schibi, schibo, die Schiebe die soll goh.«

Eine Zeitzeugin erinnert sich, dass in den Kriegsjahren keine Scheiben- oder Fastnachtsfeuer stattgefunden haben und ab 1949 diese Tradition wieder fortgeführt wurde. Mit der Schulklasse durfte sie damals das Scheibenfeuer besuchen und es war für sie als 12jährige ein Erlebnis.


 

Fotos: Jan-Peter Wahlmann AGD und Julis Bieg

Weitere Fotos von den Scheibenfeuern 2012 und 2013